Alligatoah – Retour in Würzburg am 02.03.2023 – 20:00

49.70

Talent hat er ja, dieser Alligatoah. Umso erba?rmlicher, dass er noch jeden progressiven Ansatz in einem infantilen Wortwitz, jede Hitmelodie in geschwollen-schnulziger Theatralik und jede Bu?hnenshow in Kinderfaschings-Kokolores ertra?nkt hat.Wie klein muss das Ego eines Ku?nstlers sein, der sich seit nunmehr fu?nfzehn Jahren hinter albernem Fa?kalhumor, eingestaubten Wortspielen und grotesken Mittelalterkostu?men verschanzt, bloß, um von seinem Innenleben abzulenken, keine Angriffsfla?che zuzulassen? Und wie zur Ho?lle hat es Alligatoah u?berhaupt geschafft, trotz seiner provokant-belehrenden Texte und seinem u?berheblich-distanzierten Habitus im Radio stattzufinden, Headliner-Shows zu spielen, dank etlicher Gold- und Platinplatten in den Pop-Olymp aufzusteigen und mit seinem gro?ßten Hit »Willst Du« sogar fucking Diamant zu gehen?»Rotz & Wasser« liefert Antworten auf diese Fragen, weiß die immer gleichen Argumente der Kommentarspalten-Hater und Feuilleton-Kritiker geschickt zu widerlegen.Dieses neue, inzwischen sechste Album pra?sentiert einen gereiften Alligatoah. Einen Alligatoah, der die u?ber Jahre antrainierte U?berheblichkeit bewusst kriseln la?sst. Einen Alligatoah, der weniger ablenkt, u?berla?dt, um Lacher buhlt. Einen Alligatoah, der den Nebel um einen gewissen Lukas Strobel bruchstu?ckhaft lichten la?sst. Es ist kein Zufall, dass Alligatoah schon fu?r die Covers der Vorab-Singles im wahrsten Sinne des Wortes blankgezogen hat und sein Album-Artwork nun von einem arg in Mitleidenschaft gezogenen Pa?ckchen dominiert wird, das er durch eine verregnete Szenerie wuchtet. »Rotz & Wasser« ist tatsa?chlich die erste Platte, auf der der 32- Ja?hrige ureigene Gefu?hle offenbart, die echt zu sein scheinen ? stellenweise sogar ohne jegliche Doppelbo?digkeit. Eine Self-Care-Ballade, in der Alligatoah seinen Ho?rern geradeheraus ans Herz legt, auf das eigene Seelenheil Acht zu geben? Eine Zeile wie »ehrlich gesagt werd? ich dich hart vermissen«? Das freimu?tige Versprechen im dramaturgischen Finale der Platte, bis an sein Schlusskapitel alles fu?r sein Ungeborenes zu geben? Nein, sowas ha?tte es in fru?heren Phasen seiner Diskorafie nicht gegeben.Wenn »Triebwerke« Alligatoahs ironisches Liebesalbum und »Musik ist keine Lo?sung« sein »Another Brick in the Wall« war, ist »Rotz & Wasser« nun das Gefu?hls-, das Drama-, das nur noch halb-ironische Liebes-, vielleicht das Empfindlichkeitsalbum. Definitiv ist es eine Symbiose aus den großen Themen unserer Zeit und der Auseinandersetzung mit zwischenmenschlichen Beziehungen, Verliebtsein, Trennungsschmerzen, Neuanfa?ngen und emotionaler Fragilita?t. Gleichzeitig bietet »Rotz & Wasser« einen detaillierten Einblick ins Seeleninnere eines komplizierten Charakters, der sich mit Genre-Schubladen, Reisbrett-Meinungen und Zeitgeist-Affekten generell schwer tut, sogar zu eigenbro?tlerisch ist, um Posterboy irgendeines rebellierenden Movements sein zu wollen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: die Authentizita?t, die in Songs wie »Dunstkreis«, »Fuck Rock?n?Roll«, »Stay in Touch« oder »Nachbeben« schlummert, ist keineswegs mit einem Ende der permanenten Rollenwechsel, der Kalauer oder des Alligatoah-typischen Maskenballs zu verwechseln. All diese Spielereien sind immer noch wichtiger Bestandteil der DNA seiner Kunst ? im Gegensatz zu fru?her scheint Alligatoah nur weniger intensiv auf die Suche nach dem guten Gag und der ultimativen Arschloch-Figur gegangen zu sein, die er kreativ zu persiflieren versucht. »Rotz & Wasser« passt allein durch seine tendenziell verso?hnlichen Ansa?tze gut in die Jetztzeit der großen Krisen. Kurioserweise sind viele Texte noch vor Pandemie-Beginn und u?berwiegend auf Reisen entstanden ? Reisen, die Alligatoah alleine unternommen hat. Seit Beginn seiner Solokarriere ? und das hat sich trotz der großen Erfolge nie vera?ndert ? fungiert er als Ich-AG, gibt die Zu?gel, selbst wenn es um Bu?hnenbilder, Artworks oder die Kostu?m-Auswahl geht, niemals aus der Hand. Natu?rlich hat er auch »Rotz & Wasser« ? wieder einmal ? eigenha?ndig produziert, alle Instrumente selbst eingespielt und sa?mtliche Videos in Eigenregie konzipiert und geschnitten. Seinen kreativen Mindstate hat Alligatoah dennoch erweitert, hat Teile des visuellen Begleitwerks am Bauhaus in Dessau umgesetzt und neue Inspirationsquellen erschlossen. Dass sein Gitarren-Trap Liedermacher-esker denn je klingt, hat sicherlich damit zu tun, dass ihn die Musik von Hannes Wader, Franz Josef Degenhardt und Reinhard Mey seit Kindheitstagen umgibt.Im Gegensatz zu fru?heren Alligatoah-Alben ist »Rotz & Wasser« kompakter und u?bersichtlicher gehalten, verzichtet vermehrt auf einheitliche Songstrukturen, ein klassisches Intro oder den obligatorischen in drei Einzelteile zerstu?ckelten Klammer-Song. Alligatoahs Erfolg ist kein Zufall, seine Kunst weit mehr als trivialer Klamauk, sein Witz ein effizientes Werkzeug zur Bewa?ltigung von Weltschmerz und zwischenmenschlicher Verletzung. Alligatoah ist nicht nur ein Meister der hymnenhaften Melodien, des Spiels mit der eigenen Stimme und den Reimketten, die oft so gut sind, dass sie gar nicht als Reimketten auffallen ? Alligatoah ist Meister der Zuspitzung, Meister der inhaltlichen Symbiosen, perfektionistischer Allrounder. Das ist er seit fu?nfzehn Jahren. Und doch ist ihm der Spagat zwischen weltpolitischen Problemlagen, scharfsinnigem Humor und humorlos-scharfsinniger Gefu?hlsebene noch nie so gut gelungen, wie auf seinem neuen Album »Rotz & Wasser«.

Termin:

02.03.2023 – 20:00

weitere Veranstaltungsorte:

  • Frankfurt – Termin: 03.03.2023 – 20:00
  • Leipzig – Termin: 07.03.2023 – 20:00
  • Stuttgart – Termin: 09.03.2023 – 20:00
  • Bremerhaven – Termin: 17.03.2023 – 20:00
  • Berlin – Termin: 19.03.2023 – 20:00
  • Hannover – Termin: 08.03.2023 – 20:00
  • München – Freimann – Termin: 10.03.2023 – 20:00

★ weitere Informationen ★

Beschreibung

Adresse

tectake ARENA
Stettiner Straße 1
97072 Würzburg

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